Frauen Check-up: Wichtige Vorsorgeuntersuchungen und Blutwerte
Mit 65 auf Weltreise, einen Halbmarathon laufen oder als fitte Großmutter mit den Enkeln toben? Für deine lebenslange Gesundheit sollten Frauen regelmäßig die wichtigsten Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen und die wichtigsten Blutwerte sowie Nährstoff- und Hormonspiegel im Blick haben.
Schließlich ist Vorbeugen stets besser als heilen. Je eher Symptome erkannt werden, desto besser sind sie zu beheben. Regelmäßige Check-ups sind eine wichtige Investition in die Gesundheit. Man kann so gezielt rechtzeitig gegen eventuelle Mängel vorgehen.
Vorsorgeuntersuchungen für Frauen
Die nachfolgenden Tests und Screenings sind abhängig von Alter, Befinden, Beschwerden sowie von der individuellen und der familiären Krankheitsvorgeschichte und dem entsprechenden Risikoprofil. Wir fassen zur Orientierung wichtige, verfügbare Diagnostikverfahren zusammen. Kosten und Kostenübernahme sollten von der Ärztin/Therapeutin transparent kommuniziert werden, ggf. muss die Patientin auch mit ihrer Krankenkasse sprechen.
Bei den meisten Vorsorgeuntersuchungen wird empfohlen, sie einmal im Jahr oder alle zwei Jahre durchführen zu lassen.
"Klassische" Check-ups (Hausarzt, Allgemeinmediziner, Internist)
- Gespräch (Anamnese)
- Tests: Einmal im Jahr eine ausführliche Blut- und Urinuntersuchung, bei Beschwerden öfter. Eine Auswahl der Werte folgt weiter unten.
- Blutdruck-Messung
- Körperwerte (Gewicht, Körperzusammensetzung z. B. mit Bioimpedanzanalyse, Bauchumfang)
- Herz-Kreislauf-Status: Ruhe-EKG, Belastungs-EKG
- Untersuchung der Organe (inkl. Schilddrüse), ggf. der Gefäße (mit Ultraschall)
- Auffrischung Impfschutz
- Lungenfunktionstest (bei Vorerkrankungen oder Rauchern)
Vorsorgeuntersuchungen beim Spezialisten
- Brustkrebs-Vorsorge: Abtasten, Untersuchung mit Mammografie, Ultraschall oder MRT. Übrigens: Monatlich immer selbst die Brust abtasten.
- Gebärmutterkrebs-Vorsorge: PAP-Test (Abstrich) bei der Frauenärztin
- Eierstockkrebs: Tastuntersuchung und Ultraschall bei der Frauenärztin
- Osteoporose / Osteopenie: Eine Knochendichtemessung mittels DXA-Scan (auch DEXA), kurz für „Dual Energy X-Ray Absorptiometry“, ein spezielles Röntgenverfahren. Eine DXA-Messung kostet ca. 50–70 € (bis auf wenige Ausnahmen eine Selbstzahlerleistung) und wird in vielen radiologischen Praxen angeboten. Es empfiehlt sich, einen ersten Status-Scan mit Mitte bzw. Ende 40 zu machen, um seine Basis zu kennen. Das Risikoprofil kann auch zunächst mit dem FRAX Online-Fragebogen erfasst werden.
- Hautkrebs: Hautkrebs-Vorsorgeuntersuchung beim Dermatologen und regelmäßige Selbstbeobachtung bei Veränderungen (Größe, Farbe, Form) – im Zweifel die Hautstelle fotografieren und Veränderung so dokumentieren.
- Darmkrebs: Nach Brustkrebs ist Darmkrebs die zweithäufigste Krebsart bei Frauen. Tests mittels Darmspiegelung starten ab dem Alter von 50 Jahren – bei erhöhtem Risiko (Vorerkrankungen, Familienhistorie) schon früher. Mehr Infos zur Darmkrebsvorsorge. Eine Darmkrebsvorsorgeuntersuchung kann gern direkt mit einer Magenspiegelung gekoppelt werden.
- Augen: Sehtest, Augendruckmessung
Wichtige Basis-Blutwerte
Auch wenn es „groß“ klingt, das klassische Blutbild (klein oder eben groß) misst lediglich Basis-Krankwerte. Das „große Blutbild“ sagt also noch nicht allzu viel über den allgemeinen Gesundheitszustand aus und ist bei weitem nicht genug.
Als Ärztin ist es ein toller Service, Frauen proaktiv darauf aufmerksam zu machen und sie dabei zu beraten, welche zusätzlichen Werte für sie sinnvoll sind.
Kleines Blutbild
- Erythrozyten (RBC / ERY) – Transport von Sauerstoff, Kohlendioxid
- Leukozyten (WBC / LEUK) – körpereigene Abwehr
- Thrombozyten (PLT / THRO) – Blutgerinnung
- Hämoglobin (HGB / HG) – Blutfarbstoff, Hinweis auf Eisenversorgung
- Hämatokrit (HCT / HKT) – Dickflüssigkeit des Blutes
Großes Blutbild (zusätzlich)
Neutrophile Granulozyten, Eosinophile Granulozyten, Basophile Granulozyten, Lymphozyten, Monozyten
Blutwerte für Organgesundheit und Entzündungen
- Blutgerinnung: Quick, INR, PTT
- Leber + Galle: alkalische Phosphatase, Gamma-GT GOT, GPT, Bilirubin
- Nieren + Gicht: Kreatinin, GFR, Harnstoff, Harnsäure
- Bauchspeicheldrüse: Alpha-Amylase, Lipase
- Eiweiß: Gesamtprotein, Albumin, alpha1-Globulin, alpha2-Globulin, beta-Globulin, Gamma Globulin
- Entzündungsmarker: CRP (c-reaktives Protein), Blutsenkung
Blutfettwerte (Marker Gefäßschutz)
- Cholesterin gesamt: ideal Werte < 200 mg/dl
- LDL Cholesterin: normal < 60 mg/dl
- HDL Cholesterin: normal >45, besser > 65 mg/dl
- Quotient LDL / HDL: <3 = Zielwert | 3–5 = steigendes Risiko | > 5 = hohes Risiko
- Triglyceride: < 200 mg/dl, besser <149 mg/dl
- Apo-B (apolipoprotein B)
-
Lp-PLA2
Blutzuckerwerte
- Glukose (Blutzucker): 65–99 mg/dL (der Wert allein hat nicht genug Aussagekraft)
- HbA1C (Hämoglobin): Rückschluss auf Blutzuckerhöhe der letzten 8–12 Wochen, 4,5–6 % Gesamt-Hämoglobins
- Zur weiteren Abklärung empfiehlt sich der Homa-Index (s. unten).
Weitere Blutwerte: Nährstoffe, Hormone & mehr
Vitamine
- Vitamin D Messung von 25-OH-Vitamin D, idealerweise noch freien D3 (zur Bestimmung der D-Ratio): Knochen (Kombination mit Kalzium), Muskulatur, Immunsystem
- Folsäure (Vitamin B9): Zellteilung, Gewebe- und Blutbildung
- Vitamin B12: Zellwachstum, Zellteilung, Blutbildung
- Eventuell zusätzlich Vitamin B1, Vitamin B6
Mineralien, Spurenelemente
- Eisen-Status: Eisen, Ferritin, Transferrin, Transferrin-Sättigung – Sauerstoffversorgung und Leistungsfähigkeit. Besonders wichtig in Perimenopause / Menopause bei starker Regelblutung.
- Natrium und Kalium: Herzrhythmus, Wasserhaushalt und Nervenreizleitung
- Calcium: Muskelkontraktion und Knochenstabilität
- Magnesium: Muskelentspannung, Stress und Schlaf
- Zink: Immunsystem, Wundheilung, Entzündungshemmung
- Jod: Gesundheit der Schilddrüse, Jodsättigungstest
- Selen: Neutralisierung freier Radikale (Antioxidans)
- Bor: Wichtiger Co-Faktor im Vitamin-D-Stoffwechsel, relevant für die Knochen
Sexualhormone
- Östrogene – E1: Estron (Östron), E2: Estradiol (Östradiol) , E3: Estriol, freies (Östriol)
- Progesteron – Ideales Verhältnis Östrogen / Progesteron: 1:100
- Follikel Stimulierendes Hormon – FSH
- Lutenisierendes Hormon – LH
- SHBG: Bindungsprotein – Sex Hormone Binding Globulin
- Testosteron: Muskeln, Libido
Schilddrüsenhormone
- TSH – Thyorid Stimulating Hormon: Stimuliert die Schilddrüse (Thyroid = Englisch für Schilddrüse)
- Freies T3: Reguliert die Schilddrüsenaktivität (aktiv)
- Freies T4: Speicherform des Schilddrüsenhormons
- ggf. weitere Werte wie Reverse T3 und Schilddrüsenantikörper: TAK, TPO, TRAK
Mehr Butwerte
- Omega-3-Index-Test: Gibt Auskunft über Fettsäure-Verhältnisse wie z. B. Omega 3 Fette zu Omega-6 Fette im Körper. Ein wichtiger Marker für die Gefäßgesundheit.
- HOMA-Index (Blutzucker/Diabetes-Risiko): Ein Wert zur Abschätzung einer eventuellen Insulinresistenz ist der HOMA-Index, eine Blutprobe nach 12 Stunden ohne Essen, die die Nüchtern-Insulin- und Nüchtern-Glucose-Konzentration berechnet. Bei einem HOMA-Index bis 2 ist eine Insulinresistenz eher unwahrscheinlich. Werte von 2,0–2,5 sind ein Hinweis auf eine mögliche Insulinresistenz, ab 2,5–5,0 ist eine Insulinresistenz wahrscheinlich und > 5,0 sind typische Werte von Typ-2-Diabetikern.
- Homocystein
- Knochenwerte: Parathormon (PTH), Beta Cross Labs, Trap5b, ucOC (Vitamin K2 Biomarker)
- Mikrobio-Darmanalyse: Untersuchung des Stuhls
- Stresshormone: DHEA, Cortisol
- Anti Müller Hormon – AMH: Fertilitätsdiagnostik, Bestimmung der Anzahl vorhandener Eizellen, korreliert mit der Funktion der Eierstöcke
- Pregnenolon: Vorläuferhormon zu Progesteron und DHEA, wichtig für Östrogen-Produktion: Bestimmung in Lutealphase ca. 6–7 Tage nach Eisprung.
- Aminosäurenprofil
Vorbereitung auf den Check-Up-Termin
Teil einer umfangreichen Vorsorgeuntersuchung ist natürlich das Gespräch mit der Ärztin. Folgende Themen sollten zur Sprache kommen:
- Die familiäre Krankengeschichte (inkl. Unverträglichkeiten, Befindlichkeiten)
- Der Gesundheitszustand, Befinden, eventuelle Beschwerden
- Wie steht es bei der Patientin um: Müdigkeit, Stressbelastbarkeit, Infektanfälligkeit, Schlafstörungen, Depressivität, nachlassende Lust / Libido, Konzentrationsfähigkeit, Zyklusstörungen, Wechseljahrsbeschwerden, PMS, Wassereinlagerungen, Gewichtszunahme, Knochen- und Gelenkbeschwerden?
- Lebensstil: Sport, Ernährung, Alkohol, Rauchen, Medikamente, Nahrungsergänzungen, besondere Umstände im privaten oder beruflichen Umfeld
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel Anamnese, Impfstatus, körperliche Untersuchung, neurologischer Status, Vitalwerte, Basis-Laboruntersuchungen von Blutzucker- und Cholesterinstoffwechsel, EKG und Ultraschall-Abdomen, mit entsprechender Diagnose. Im Alter von < 35 Jahren einmalig, ab 35 Jahren alle 3 Jahre. Viele darüber hinausgehende Präventionsuntersuchungen – so auch die Bluttests diverser Vitamine und Mineralien – fallen unter „IGEL“-Leistungen und sind von der Patientin selbst zu tragen. Die privaten Krankenkassen decken in der Regel viele Check-up-Untersuchungen ohne Altersbeschränkung und Untersuchungseinschränkung ab. Voraussetzung ist eine entsprechende Indikation/ Verdachtsvermutung durch Arzt/Ärztin.
Nach dem Vorsorge-Termin
Die Normwerte in den Laborauswertungen gelten für „Durchschnittsmenschen“. Die individuelle Situation der Patientin kann davon abweichen. Da sich die meisten Frauen nicht gut auskennen, ist es wichtig, alle Befunde zu erklären, mitzugeben oder zuzusenden – für die eigene Beobachtung im Zeitverlauf oder für den Fall, dass die Praxis gewechselt wird. Idealerweise werden die Blutwerte immer vom gleichen Labor getestet. Das ist gut für die Vergleichbarkeit und Verlaufskontrolle.
Studien & Quellen
Dr. med. Orfanos-Boeckel, Helena: Orthomolekulare Medizin & Bioidentische Hormone: Mangel ausgleichen, Beschwerden lindern, Alterungsprozesse aufhalten, 1. Auflage, Stuttgart, Deutschland: TRIAS, 2022.
Dr. med. Orfanos-Boeckel, Helena: Nährstofftherapie – der Praxisleitfaden: Orthomolekulare Medizin richtig dosieren und anwenden. Vorbeugen und heilen mit Vitaminen, Mineralstoffen & Co., 1. Auflage, Stuttgart, Deutschland: TRIAS, 2024.
Dr. med. Orfanos-Boeckel, Helena: Nährstoff- & Hormontherapie - Der Präventions-Leitfaden. Welche Laborwerte frühzeitig auf Erkrankungen hinweisen und wie Sie diese optimal einstellen., 1. Auflage, Stuttgart, Deutschland: TRIAS, 2025.